Kälteschäden durch den intensiven Winter und durch Spätfröste

Gerade heuer in diesem doch sehr intensiven Winter sind die Pflanzen doch stark zu Schaden gekommen, Nachwehen davon sind jetzt erst richtig sichtbar geworden.. Zuerst ein relativ früher Wintereinbruch mit Schnee und Temperaturen nur um den Gefrierpunkt in Tallagen bis Ende Jänner, dann aber ein extrem kalter Feber, dazwischen Schnee, jetzt der echt harte März, wo der Frühling nicht und nicht in Gang kommen will  und schließlich die jetzt  eintretende Kälte samt Schneefall und angeblich Dauerfrost, wo jetzt die Pflanzen gerade erst ausgetrieben haben.  Temperaturschwankungen innerhalb von wenigen Stunden haben den Pflanzen wenig bis keine Vorbereitungszeit gelassen und es ist doch da oder dort zu massiven, zumindest optischen Schäden gekommen.

Die eigentlichen Schäden sieht man ohnehin erst im weiteren Verlauf der Wachstumsperiode, sprich im April.

Was kann alles passieren und wie kann man schützend reagieren?

Prinzipiell können sehr viele Pflanzen, die früh treiben, von Spätfrösten beschädigt werden, vor allem Pflanzen mit früher Blüte wie Marille, Pfirsich, Kirsche, aber auch andere Blütenpflanzen wie Zwiebelblüher(Narzissen, Tulpen) und Stiefmütterchen, Gänseblümchen und auch Ziergehölze. Viele werden sagen: “ist eh noch Winter“, ist aber nicht ganz so.

Unter den Baumarten können sogar Walnuss, Buche, Tanne, Fichte, Esche, Lärche Schäden erleiden. Klingt ungewöhnlich, aber nach erfolgtem Durchtrieb sind Temperaturen um die minus 8°C die Grenze für Folgeschäden. Nicht, dass die Pflanzen „eingehen“, aber sie können doch optische Folgeschäden bekommen, wie zum Teil 2016 und 2017 auch geschehen.

Folgeschäden können bis in den Sommer hineinreichen, aber auch noch in die nächsten Wachstumsjahre:

Ein Laubbaum, den die Leittriebspitze(Hauptast) abfriert, muss erst einen neuen solchen ausbilden, in dieser Zeit kann die Pflanze  deformieren, verruten, weil sie selbst erst wieder die Orientierung nach einer neuen Mitte(Krone) finden muss.

Blattschäden an Triebspitzen bei Ahorn, Esche, Platane und dgl., die früh austreiben und Spitzenbräune, sogar Schwärze erleiden, sind optisch nicht schön, aber doch kosmetisch zu korrigieren, indem man die Pflanze ausschneidet und so eine Verrutung(Besenwuchs) vermeidet.

 Schutz gibt es häufig keinen richtigen:

Frostberegnungen sind bei Obstbäumen eine gute Methode. Das heißt, man lässt mittels eines Kreisregners Wasser über die Pflanzen verteilen und das ab einer Temperatur von minus 1-2°C. Das Wasser bildet dann einen Schutzpanzer um die Blüten, was ein Vorteil ist. Der Nachteil ist, dass die Anschaffungskosten hoch sind, man Unmengen an sauberen und frischen Leitungswasser braucht, sehr hohe Wassermengen auf den Boden verteilt. Aber auch die Bruchgefahr ist gegeben, wenn das Eis die jungen Triebe nach unten zieht! Pro Minusgrad ist 1 mm Eis nötig, ab 5-6mm Eisschicht besteht akute Bruchgefahr.

Schutz durch Vlies an Hausmauern bei Obstspalieren ist absolut zu empfehlen, untertags sollte das „weiße, dünne Gewand“ aber wieder entfernt werden, um es nötigenfalls am Abend wieder darauf zu verspannen. Hat es außen minus 5°C, so hat es unter dem Vlies 0°C. Man kann aber davon ausgehen, dass es an Hausmauern nicht so stark friert, weil das Haus selbst ja auch noch Wärme abstrahlt.

TIPP! Viele haben auch schon den Versuch unternommen mit einer Spritzung mit verdünntem Baldrianblütenextrakt, das aber nicht überall erhältlich ist. 3ml Extrakt auf 1 Liter Wasser die Pflanzen in den späten Nachmittagsstunden betauen - hält 4-5 Grad minus „fern“!

Was soll man tun, wenn man Frühjahrsblüher gerade eben erst ausgepflanzt hat, beispielsweise am Friedhof?

Der Schnee wäre zwar einerseits ein gutes Dämmmaterial, andererseits aber dann doch auch Druck von oben. Blüten können abbrechen, die erste Blüte zum Beispiel eines Stiefmütterchens Schaden durch Frost erleiden, weil die Pflanzen ja aus den Gewächshäusern der Gärtner kommen.

Auch Primeln, die im Gewächshaus vorgetrieben wurden, können einen leichten Schaden davontragen, die Pflanzen sind jedoch ebenso wie vorher Genannte winterhart und daher treiben sie schnell wieder durch und blühen heuer auch noch schön.

Eine Abdeckung mit Vlies ist nur dann gut und ratsam, wenn man sich sicher ist, dass es nicht draufschneit, weil sonst durch den Druck darunter alles „zerdrückt“ wird.

Was tun, wenn man Terrassenpflanzen bereits ausgepackt hat bei schönem Wetter?

Töpfe braucht man dann natürlich nicht mehr einwickeln, allerdings sehr wohl die oberirdischen, manchmal bereits ausgetriebenen Pflanzenteile. 

Was tun mit Aussaaten und Auspflanzungen von Gemüse im Hausgarten?

Im Normalfall schützt das Vlies, wie bereits erwähnt, bis zu Temperaturen von minus 5°C, aber im Gegensatz zu anderen Pflanzen, sollte man das Vlies Tag und Nacht auf den Gemüsepflanzen drauf lassen, weil das Vlies zugleich auch Wachstums fördernd ist und das Gemüse oft noch intensiver schmeckt.

Was tun, wenn der späte, schwere Schnee auf die Sträucher und Bäume drückt?

Pflanzen, die es stark verbiegen kann, wie zum Beispiel immergrüne Pflanzen(Bambus, Lorbeerkirsche und dgl.) gehören genauso vom schweren, feuchten März/April-Schnee befreit durch Abschütteln, wie zum Beispiel Blütensträucher.

Wobei die Bauern früher immer gesagt haben: Der März-Schnee ist der beste Dung`! weil er sehr feucht ist und langsam in den fast schon tiefgründig geöffneten Boden eindringt und langsam und dauerhaft Wasser zuführt, von dem Pflanzen lange zehren könnten! Ob der Bauer das heuer auch so sagt?