Was ein wenig anrüchig klingt, entpuppt sich im wahrsten Sinne des Wortes als etwas, was unseren Obstbäumen in den letzten Jahren immer mehr und stärker zusetzt. Die heißen Sommer mehren sich, der Klimawandel ist nicht mehr wegzuleugnen, „alte“ Schädlinge gehen, neue kommen. Pflanzen werden heuer durch dieses extrem starke Ertragsjahr Schwächen zeigen, sie werden nächstes Jahr anfälliger für Schädlinge und Krankheiten werden. Was großflächig schwierig ist, kann allerdings im Hausgarten schon einfacher sein, aber es gehören Schritte eingeleitet.

Was für Schadbilder richten Frostspanner an?

Die Raupen (zum Fortbewegen stellen sie immer den „Buckel“ auf) schlüpfen bereits, wenn die Obstbäume und Buchen gerade ihre ersten Blüten und Blätter treiben, und fressen die Kronen teilweise verheerend kahl. Auch Blüten und junge Früchte werden abgefressen. Männlein und Weiblein schauen unterschiedlich aus, die Herren haben eine Flügelspannweite von bis 10cm, die Weibchen sind fluguntauglich.

Die Tiere entwickeln sich an schönen Herbsttagen besonders rasant, die Falter schlüpfen dann ab Mitte Oktober bis Anfang Dezember aus den Puppen, die am Boden liegen. Die Weibchen kriechen am Stamm entlang auf den Baum hinauf, die Männchen hinterher, die Eier werden dann in Rindenritzen im oberen Teil des Baumes abgelegt, bis zu 300 Eier pro Weibchen. Die im März schlüpfenden Raupen beginnen dann ihr zerstörerisches Werk. Und so geht’s immer zu weiter.

Daher ist die vorbeugende Bekämpfung ab Anfang Oktober wichtig!

Spätestens Mitte Oktober gehören Leimringe um den Stamm gebunden, die Weibchen verkleben dort am Raupenleim. Diese Ringe oder Bänder um den Stamm herum werden auch gelegentlich erneuert oder nachgesprüht.

Bevor im Sommer die Verpuppung beginnt, kann der Boden um die Kern- oder Steinobstbäume mit Rainfarnbrühe (siehe "Erwins Tees für gesunde Pflanzen") gegossen werden, auch das Spritzen mit derselben wäre im April schon gegen die Raupen sehr hilfreich. Auch natürliche Raupenspritzmittel wie Bakterien (Bacillus-Präparate) schädigen die Raupen.

Eines ist auch klar: tut man nichts, werden Bäume künftig geschädigt, auch der gefürchtete Borkenkäfer kann sich umso stärker auf geschwächten Bäumen ausbreiten!

Was für Schadbilder richten Wickler an? „Wurmige“Äpfel!

Anfang Juni legt die erste Faltergeneration des Jahres ihre Eier auf die Apfelschale ab. Kurz darauf fressen sich die geschlüpften kleinen Raupen in das Obst bis in das Kerngehäuse vor. Die noch unreifen Äpfel fallen zu Boden, und die Raupe kriecht in die Ritzen am Stamm oder in den Boden, wo sie sich verpuppt. In warmen Jahren erscheint im August eine zweite Generation. Sie verursacht den eigentlich sichtbaren Schaden: die geernteten Äpfel sind "wurmig".

Verwirren statt vergiften

Es werden im Erwerbsanbau häufig schon die so genannten Pheromonfallen eingesetzt. Die Männchen riechen die Weibchen über hunderte Meter, auch wenn die Tierchen maximal 2 cm Durchmesser haben. Es werden Ampullen mit weiblichen Lockstoffen in den Baum gehängt und somit die Männchen verwirrt, sie finden darauf hin aufgrund des Überangebots die lebendigen Weibchen nicht mehr. Gemein, aber es wirkt….

Die vorbeugende Bekämpfung wie das Entfernen verwurmten Fallobst ist wichtig. Auch Spritzungen sollten vorbeugend erfolgen. Abwechselnd mit natürlichen Präparaten zur Geruchsüberdeckung wie Rainfarnbrühe, Wermuttee, aber auch mit Niemöl oder Spruzit (Rapsöl). Diese sind ab Mitte Juni im Abstand von 2-3 Wochen zu spritzen, gesamt 3 - 5 mal, je nach Temperatur und Sommerverlauf. Auch Bacillus-Präparate zeigen gute Erfolge.

Geschädigt werden können meistens Apfel, Birne, Zwetschke, Marille und Walnuss. Belässt man die Früchte am Baum, überwintern die Wickler dort. Klaubt man die Verwurmten beim Lagern im Keller nicht aus den gesunden Früchten, überwintern sie dort und kommen nächstes Jahr wieder. Die Verpuppung findet dann in den Stammritzen oder in den Holzgestellen, Holzablagen im Garten oder Keller im zeitigen Frühjahr statt.

Es klingt natürlich aufwändig, aber es muss sein, wenn man was von den Bäumen an ertrag haben möchte. Sich nicht ergeben, aktiv sein und auf biologische Hilfsmaßnahmen bauen, dann haben alle was davon!