Aussaat im Allgemeinen

Mit nur ein wenig Geschick kann man zu Hause sehr leicht Pflanzen aller Art heranziehen. Zwar gibt es auch problematische Pflanzenarten, aber im Allgemeinen ist vor allem die Anzucht von Blumen usw. absolut kein Problem, wenn man einige Ratschläge befolgt.

Die meisten Pflanzen kann und sollte man schon dann im Zimmer aussäen, wenn es draußen noch sehr kalt ist. Aufgrund des zeitlichen Vorsprungs blühen derart gezogene Pflanzen früher als zu einem späteren Zeitpunkt im Freien ausgesäte Pflanzen.

Diese Art der Vorkultur darf man natürlich nicht übertreiben: Viel zu früh ausgesäte Pflanzen entwickeln sich zu einer Zeit, in der zu wenig Licht und (zumindest im Zimmer) zu hohe Temperaturen herrschen. Das Resultat ist dünnes, schwaches Pflanzenmaterial.

Viele Pflanzen wie Chili, Begonien, Paprika, aber auch winterharte Blütenstauden und auch frühes Gemüse (Salate, Kohlrabi) und dergleichen gehören bereits Ende Jänner, Anfang Feber gesät, damit man im April/Mai kräftige Auspflanzware bekommt, Chili meist sogar schon im Dezember.

 

Benötigte Materialien

 

Gewächshaus

Zuerst einmal braucht man ein kleines Zimmergewächshaus, respektive ein Minigewächshaus. Diese werden in den unterschiedlichsten Ausführungen verkauft.

Empfehlenswert sind solche aus stabilem Material und einem hohen, durchsichtigen Deckel, damit die Pflanzen Platz zum Wachsen haben und der Lichteinfall nicht durch das Gewächshaus unnötig beschränkt wird., zugleich sollte man den Deckel zwecks „Lüftung“ problemlos öffnen können.

 

Pflanzschalen, Anzuchtgefäße

Nicht unbedingt erforderlich aber mitunter hilfreich sind Pflanzschalen, die meistens aus Folie geformt sind und aneinanderhängende Töpfe bilden. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass diese möglichst gut in das Gewächshaus passen.

Ideal ist, wenn ein oder mehrere Pflanzschalen ohne Platzverschwendung hineinpassen. Bei größeren, empfindlichen oder rasch wachsenden Pflanzen kann es sinnvoll sein, statt in Pflanzschalen gleich in einzelne Anzuchttöpfe (können sogar Joghurtbecher oder Eierbecher sein) zu säen, die man ins Gewächshaus stellt. Besonders vorteilhaft sind hierbei quadratische Töpfe, da man diese ohne Platzverlust sehr gut aneinanderreihen kann.

Leider sind diese aber sehr schwer zu bekommen.

 

Wassersprüher

Unbedingt erforderlich ist ein Wassersprüher (Bügelsprüher) Wichtig ist, dass kein Wasserstrahl herauskommt sondern feine Tröpfchen.

 

Anzuchtsubstrat

Das Anzuchtsubstrat ist ein wenig heikel. Einerseits muss es unbedingt nährstoffarm sein, andererseits muss es Wasser gut speichern können aber trotzdem durchlässig sein. Weiteres darf es keine Pilzsporen usw. enthalten.

Früher nahmen (und nehmen heute noch) Kundige sogenannte Wurmerde, d.h. die charakteristisch aussehende Hinterlassenschaft von Regenwürmern, die dank Durchlauf durch den Verdauungsapparat der Regenwürmer erstens nährstoffarm und zweitens fast "keimfrei" ist.

Das Einsammeln ist allerdings sehr mühselig, und die Wurmerde ist eher kompakt und keineswegs luftig. Eine hervorragende Alternative dazu ist eine gute, nährstoffarme Aussaaterde aus dem Fachhandel.

 

Samen

Samen kann man selbst ernten. Wem das zu aufwendig ist oder nicht die Möglichkeit dazu hat, kann Saatgut auch kaufen. Biosaatgut ist der Vorzug zu geben. Angeboten werden vor allem Blumen- und Gemüsesamen.

Achten sollte man insbesondere darauf, dass das Saatgut frisch ist, d.h. nicht schon Jahre in irgendeinem Regal verstaubt ist. Denn je frischer der Samen ist, desto höher ist auch die Keimfähigkeit.

Üblich bei empfindlichem Samen sind sogenannte Keimschutzverpackungen: In einer bedruckten Papiertüte befindet sich ein Beutelchen aus mit Aluminium beschichteter Kunststofffolie, die aufgrund ihrer Dichtheit Feuchtigkeit weder entweichen noch hereinkommen lässt, sodass das Saatgut erstens nicht infolge Feuchtigkeitseinwirkung keimen kann (und dann wegen Wassermangel abstirbt) und zweitens länger frisch bleibt.

Solche Packungen sollte man vollständig aufbrauchen oder bei Teilentnahme sehr sorgsam (=dicht) wieder verschließen, dann im Kühlen (Kühlfach) lagern.

 

Aussaat

Es gibt zwei Methoden:

Entweder füllt man die Bodenschale des Zimmergewächshauses direkt mit Anzuchtsubstrat und sät in kleine Rillen, die mit einem Bleistift o.ä. gezogen werden, oder aber man verwendet Anzuchttöpfe aus Holzfaser, die mit dem Substrat gefüllt werden. In beiden Fällen wird das Substrat leicht angedrückt und sorgt damit für eine ebene, glatte Oberfläche.

Gesät wird dünn und gleichmäßig entweder in die Rillen oder die Töpfe, nicht zu viel Samen an einer Stelle. Meistens genügt ein geringer Bruchteil des Inhalts einer Samenpackung, sofern es sich um Lichtkeimer handelt -auf der Packung steht dann "nicht mit Erde bedecken" o.ä.-, drückt man den Samen nur leicht an. Dies aber nur, wenn nicht aufgrund der geringen Größe die Gefahr besteht, dass er am Finger haften bleibt.

Dunkelkeimer (d.h. Samen ohne diese Anmerkung auf der Packung) werden mit ein wenig Substrat bedeckt, welches leicht angedrückt wird.

Faustregel: Je größer der Samen desto dicker die Substratschicht.

 

Angefangen von wenigen Millimetern bei sehr feinem Samen (d.h. der Mindestdicke, die man auftragen kann) sollte die bedeckende Substratschicht bei größerem Samen in der Regel etwa ein- bis dreimal so dick sein wie der Durchmesser des Samens.

Kennzeichnung

Sofort aufschreiben, was wohin gesät wurde. Es wäre zu schade, wenn später die Tomaten als Blumen in den Balkonkasten vereinzelt würden und man sich auf der anderen Seite wundert, warum die Lobelien im Garten so klein bleiben und keine Früchte ansetzen, aber richtig schön blühen!

Noch besser als eine Skizze, die man im Laufe der Wochen oder sogar Monate verlieren kann, sind Pflanzenstecker. Das sind kleine Plastikstreifen, die man beschriftet am Rand in die einzelnen Aussaatreihen oder Töpfe steckt.

Es empfiehlt sich, in Sätzen zu säen - und zwar so, dass trotz unterschiedlich langer Keimzeit die Samen zu etwa der gleichen Zeit die ersten Blättchen bilden. Denn während der Keimung sind meistens etwas andere Umweltbedingungen erforderlich als während der weiteren Kultur.

Gleichfalls wichtig ist, dass die Pflanzen ähnliche Ansprüche während der Anzucht stellen, da man es sonst nur einer Art recht machen kann und die andere eventuell sogar eingeht. Wenn man Pflanzen mit stark unterschiedlichen Bedürfnissen anziehen will, braucht man mehr als ein Zimmergewächshaus.

Ein zugegebenermaßen krasses Beispiel: Enzian braucht nach der Aussaat eine gute Zeit lang Frost, damit der Samen keimt; bestimmte Palmenarten keimen hingegen nicht unter 30 °C.

 

Anzucht

Nachdem die Aussaat erfolgt ist, brauchen die meisten Samen eine etwas erhöhte aber auch nicht zu hohe Temperatur, um schnell und zuverlässig zu keimen. Ungefähr 25 °C sind für die meisten Samen optimal. Sofern es sich nicht um Lichtkeimer handelt, tut es für die Dauer der Keimung auch ein dunkler Platz wie z.B. der Heizkeller, der vor allem bei älteren Heizungsanlagen nicht selten eine günstige Temperatur aufweist: Man muss darauf achten, dass die Temperatur nie über 30°C geht, davor gehört kurz gelüftet, zu hohe Temperatur verzögert die Keimung.

Die Lüftungsklappen des Zimmergewächshauses hält man geschlossen, sodass kein Wasserdampf entweichen kann.

Da das Substrat bei der Aussaat leicht feucht war, braucht man, solange man das Gewächshaus geschlossen hält, nicht zu wässern. Das der Klarsichtdeckel von innen beschlägt, ist dabei völlig normal. Drauf schauen, ob schon was keimt!

Bei Aufbewahrung an einem dunklen Ort ist dann der Zeitpunkt gekommen, das Gewächshaus an einen möglichst hellen Platz zu bringen. Auch hier sollte die Temperatur tagsüber möglichst nicht unter 20 °C liegen.

Sobald alle Arten gekeimt sind, werden die Lüftungsklappen geöffnet. Ab diesem Zeitpunkt muss man auch ab und zu wässern. Dies geschieht mit dem Wassersprüher. Hierbei muss man darauf achten, so sanft wie möglich zu sprühen, denn so manchen zarten Sämling kann man mit dem Wassersprüher sehr leicht sozusagen aus den Socken blasen. Es reicht, wenn die Oberfläche des Substrats leicht (!!!) feucht ist. Sümpfe und Moore mögen die wenigsten Sämlinge. Wichtig ist, dass während der ersten Wochen nur gewässert und nicht gedüngt wird, damit sich die Wurzeln gut entwickeln.

 

Pikieren/Vereinzeln

Nachdem die Keimblätter zum Vorschein gekommen sind und die ersten kleinen Laubblättchen zu sehen sind, empfiehlt es sich, die Pflanzen etwas kühler zu fahren und auch zu vereinzeln.

Da verwendet man unter Umständen die gleiche, aber nicht dieselbe Erde!

Hier können kleine Töpfchen oder Joghurtbecher zur Anwendung kommen, die Pflanzen werden vereinzelt, bis sie die gewünschte, topffertige Größe knapp vor der Auspflanzung erreicht haben.