Ich werde das immer wieder gefragt, welche Pflanzen besonders für Gärten bzw. für Bepflanzungen über 800-1000 Meter Seehöhe geeignet sind. Es sind besonders die Baumarten, die von Haus aus bei uns natürlich vorkommen, wie Ahorn, Linde, Föhre, Fichte, Tanne etc.

Es sind Pflanzen, die dafür standhaft sind, das heißt, Klimaschwankungen aushalten, einmal viel Schnee, einmal Föhn und dann wieder Starkregen etc. Klar passieren ganz viele Unglücke, wie letzten Winter in Teilen Tirols, besonders Osttirols, auch ein heimischer Baum ein durchaus geeigneter Ahorn etc. kann knicken wie ein Streichholz. Aber auch Pflanzen, die nicht heimisch sind, können in höheren Lagen durchaus Schritt halten.

 

Aber der Reihe nach

Gehen wir von üblichen (normalen) Verhältnissen aus, sehen aber die teilweise besonderen Umstände, was da sein können:

- Schneedruck in „normalen“ Wintern, der starken mechanischen Schaden anrichten kann

- tiefe Temperaturen, meist schon im Oktober, aber meist auch noch im April zum Austrieb

- langes Liegenbleiben des Schnees (Feuchtigkeit)

- Starke Winde in weniger stark bewaldeten Gebieten

- Wildverbiss

 

Welche besonderen Attribute Bäume und Sträucher besitzen müssen:

- Absolute Frostbeständigkeit (auch keine Rindenrisse durch Früh- oder Spätfröste)

- Bruchsicherheit (starke Belastung) wegen Schneedruck und Sturm

- Bei Blütengehölzen Vorsicht bei Frühblühern (Marille, Magnolien) wegen Spätfrösten, bei Fruchttragenden Vorsicht wegen Frühfrösten im Herbst (spät reife Apfelsorten)

- Anspruchslosigkeit gegenüber meist extreme, steinig-mineralische Bodenbeschaffenheit

Meistens sind es die sehr langen Winter mit zwar hoher Sonneneinstrahlung, aber doch starken Temperaturschwankungen, die dafür ausschlaggebend sind, dass das Frühjahr meistens ausfällt und der Spätwinter fast übergangslos in den Sommer übergeht.

Was dann scheinbar sehr spät blüht, holt dann das Jahr in der Blüte, im Fruchtansatz und in der Reife der Bäume und anderen Pflanzen aber meist sogar wieder ein.

Die Auswahl der Pflanzen sollte gerade in Tirol an die heimische Flora angepasst werden. Kilometerlange Thujen- und Zypressenhecken halten auch in Berggemeinden Einzug, passen aber doch eher in die Toskana oder in die mediterrane Gegend als zu uns.

Man bedenke auch immer, dass fremdländische Gehölze doch immer einer gewissen Anpassungsphase unterworfen sind. Feinblättrige, japanische Ahorngewächse müssen sicherlich im Winter nach dem Laubfall mit einer Schilfmatte vor Schneedruck und starken Ausstrahlungsfrösten geschützt werden, weil sie sonst die ersten Winter nicht überleben werden. Ersatzpflanzen gibt es hier nur wenige, weil bestimmte Pflanzen gerade wegen ihres speziellen Charakters gepflanzt werden, diese aber dann doch eigens geschützt werden müssen.

 

Beispiele nach Verwendungsart

Solitärbäume

- Ahornarten wie Bergahorn: wird bis 25 Meter hoch und 15 Meter breit. Sorte Negenia wächst schlanker

- Ross-Kastanie: mit nicht genießbaren Früchten, aber sehr schöner Blüte! Empfindlich gegen Bodenverdichtung

- Birken: Pioniergehölz; kommt überall vor; besitzt Ruf, im Herbst viel Laub zu hinterlassen, schöne Rinde.

- Baumhasel: Haselnussbildung im Alter sehr stark; auch für Straßenrand auf 1000m

- Rotbuche: liebt zwar „wärmere“ Gegenden, kann aber durchaus verwendet werden, auch als Heckenpflanze

- Nuß: bis 15 Meter hoch werdend; nicht verpflanzbar; Blüte spätfrostgefährdet;

- Platane: ähnlich Bergahorn, kugeliger Kronenaufbau; schnittverträglich

- Pappel: Pioniergehölz wie Birke; bis 25m hoch, aber schlank

- Zierkirschen-Arten: trotz oft asiatischer Herkunft gut verwendbar, Wunderbare Blüte und Frucht

- Steinweichsel (Felsenkirsche): Wildgehölz, Vogelnährgehölz; ungenießbar

- Traubenkirsche: sehr schöne weiße Blüte; herber Fruchtgeschmack. 10 m hoch und breit.

- Weiden-Arten: Pioniergehölz ähnlich Birke; anspruchslos und schnittverträglich, wächst bei Bruch schnell nach.

- Eberesche: durch Feuerbrand je nach Art leider teilweise verboten,; wunderbare Blüte und Frucht (Vogelbeere)

- Linden-Arten: nicht jede Art geeignet (Winterlinde gut), empfindlich gegen Bodenverdichtung. Wunderschöner Baum.

 

Nadelbäume

- Tannen und Fichten: heimische Arten werden sehr mächtig, auf Abstand achten! Sehr gut verwendbar als Windschutz und Sichtschutz

- Lärche: wunderbare Nadelherbstfärbung und sehr schöner Austrieb im Frühjahr; sehr mächtig

- Wacholder-Arten: Wachsen raketenförmig oder bodendeckend, je nach Art

- Föhren-Arten: nebst heimischer Schwarzföhre auch andere Arten; Nadelwechsel normal; sehr guter Schutzbaum; typisch für uns

- Eiben-Arten: als Hecke wie als Solitärstrauch sehr gut geeignet; giftig!

- Tsuga: Hemlockstanne bis 10 Meter hoch werdend; nährstoffreiche, durchlässige, aber feuchtere Böden; sehr schöner Wuchs

 

Kleine Bäume und große Sträucher

Sommerflieder: sollte im Herbst vor dem Schnee zurück geschnitten werden, in Tallagen erst im Frühjahr

Hartriegel: sehr verträglich, auch heimische Art wie Kornelkirsche

Strauchhaselnuss, Ginster-Arten: nicht überall

Seidelbast: auf feucht-sauren Böden

Deutzia, Forsythia, Spirea, Flieder, Spindelstrauch, Hibiskus: bedingt

Johanniskraut: kann ausfrieren

Strauchhortensien und Rhododendren: Schutz vor zu viel Schneedruck

Goldregen: sehr giftig!

Magnolien-Arten, Strauchpfingstrosen, Garten-Jasmin, Fünffingerstrauch, Ribisel: und viele andere Obstarten (Apfel, Birne, Kirsche...)

Holunder; Schneeball: nur bestimmte Arten

Weigelie, Thujen und Zypressen: wachsen, passen aber nur schwer dazu

Wacholder, Zwergfichten, Zwergtannen und Zwergföhren-Arten: gut