Plastik-Topf und seine ökologischen, erdölfreien Alternativen

Seit der 1960er-Jahre hält der „Plastiktopf“ im Erwerbs- und Hobbygartenbau Einzug.

Das Plastik-Topf nicht gleich Plastiktopf ist und welche Alternativen es gegeben hat und gibt, welche sich durchgesetzt haben, sich durchsetzen könnten und welche Stoffe Zukunft haben, versuche ich hier näher zu bringen.

Für die jüngere Generation ist Nachhaltigkeit bei Verpackungen ein großes Thema. Bei der internationalen „Biofach“-Messe Nürnberg, DER Leitmesse der Bio-Szene im Feber 2018 die Verpackung im Fokus gestanden.

Das Problem ist momentan, wenn in einem Produkt „Bio“ drin ist, muss außen herum noch lange nicht alles Bio sein.

Das heißt, dass auch der Plastiktopf als „Verpackung“ angesehen wird und nicht als „Mittel zum Zwecke“ der Pflanzen-Kultivierung, um es hochtrabend auszudrücken. Plastiktöpfe sind bei der Altstoff-Recycling-Austria (ARA) zu entpflichten, auch Kunststoffe aus biologisch abbaubaren Materialien.

In Umfragen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bringen im Schnitt 40% der Befragten das Argument, dass eine Pflanze oder auch ein Lebensmittel erst dann 100% als „bio“ angesehen wird, wenn auch der Plastiktopf bzw. die Verpackung abbaubar ist! Das lässt seit über 20 Jahren Spezialisten an einem Konzept und an Materialien wissenschaftlich arbeiten, viele kleine und alltagstaugliche Lösungen sind bereits entstanden, manche auch schon wieder verschwunden.

Plastiktöpfe sind Erdölprodukte aus Polypropylen, Polyethylen und Polystyrol zumeist, sind bruchfest, schwarz, rot, weiß, bunt eingefärbt, zum Teil auch mit (Werbe)-Botschaften bedruckt. Sie werden nach Gebrauch wiederverwendet oder, wie meistens, in der Plastiktonne entsorgt. Der Vorteil ist, dass sie sich schnell erwärmen, aber auf das Pflanzenwachstum praktisch keinen Einfluss nehmen.

Anders war es beim nicht bruchfesten Tontopf aus früheren Jahren (wird wieder „moderner“), der wiederverwendbar ist, aber auch positiven Einfluss auf das Wurzelbild nehmen kann. Leider ist er sehr schwer und beim Transport ist die Bruchgefahr hoch, aber auch das Gewicht erhöht die Transportkosten auf langen Anfahrtswegen.

Biologisch abbaubare Pflanzgefäße kann man meistens Miteinpflanzen, allerdings sind nicht alle sofort „weg“, sprich verrottet, manche brauchen hohe Kompost-Rottehitze und brauchen dann bis zu 2 Jahren!

Altpapiertöpfe waren jahrelang vom Markt verschwunden, sind jetzt aber wieder im Kommen! Nachteile: Starke, anfängliche Veralgung und Vermoosung, zögernde Wiederbenetzbarkeit (schwer zu gießen), Nährstoffentzug für die Pflanze während des Verrottungsprozesses, schlechte Akzeptanz (Skepsis bezüglich Druckerschwärze )

Torftöpfe Torf steht vielerorts ohnehin schon in der Kritik, weil Moore dafür abgebaut werden müssen, die wiederum durch Raubbau die Ökobilanz extrem verschlechtern!)

Töpfe aus Naturmaterialien wie Holzfaser, Flachs, Hanf, Chinaschilf, Kokos, Bast, Zellstoffderivate etc. sind unterschiedlich in der Handhabung, solche aus Holzfaser und Zellulose derzeit allerdings die gebräuchlichste Alternative.

Mais- oder Kartoffelstärke stehen optisch dem „Plastiktopf“ am nächsten, sind jedoch nur industriell unter gewissen Voraussetzungen kompostier- und verrottbar und sind in den Augen der ARA wie herkömmlichen Kunststoff zu behandeln, aber eben dann leider nicht recyclingfähig und nur einmal verwendbar! Also wohin damit? Im Hauskompost dauert es 2-4 Jahre bis zur Verrottung, falls es zu einer solchen vollständig kommen sollte. In den Plastikmüll? Ist eben dann nicht recycelbar.

Sonnenblumenkernschalen-Töpfe sind das neueste und auch absolut kompostierbar, mit einpflanzbar. Sieht aus wie Plastik und zersetzt sich je nach Wandstärke innerhalb eines Jahres.

Reisschalen-Töpfe dieser aus Reisschalen hergestellt Topf ist dickwandig und sehr stabil, kann wiederverwendet werden, ist sehr atmungsaktiv, ist ähnlich dem Tontopf, erzeugt sehr schöne Wurzeln und wirkt natürlich elegant, braucht allerdings bis zu 2 Jahre bis zur vollständigen Verrottung.

Was kann, soll der Vorteil für den Verbraucher sein?

Viele der biologisch abbaubaren Töpfe sind luftdurchlässig, sind aber durch den Abbau organischer Substanz optisch nicht immer ansprechend. Meiner Erfahrung nach greift der Verbraucher zuerst zum optisch sauberen Produkt, also zum herkömmlichen Plastiktopf, ehe er es überdenkt und den ökologischen Aspekt mit einbezieht.

Zudem muss der Anwender am Ende ein gutes Gefühl haben, auch etwas für die Umwelt für den schonenden Umgang mit Ressourcen getan zu haben. Und wenn es dann genauso gut wächst, oder sogar besser und zudem Müll vermeidet, dann wäre das schon ein riesiger Schritt in ein nachhaltiges gärtnerisches Denken bis hin zum Hausgarten und zur Terrasse.

Was man allerdings unbedingt mit bedenken sollte: Ökotöpfe sind für die Pflanzen nachgewiesen „gesünder“, die Krankheitsgefahr in der Weiterkultur ist wesentlich geringer, die Pilzgefahr deutlich niedriger, auch wenn anfangs sich auf den Töpfen (für Pflanzen ungefährlicher) Schimmelpilz sich bildet, der sich nach 2 Wochen spätestens „zurückzieht“.

Wichtig ist aber, dass der Ökotopf, egal, welcher Herstellung, nicht neutral wie herkömmlicher Plastikkunststoff ist und selbst Eigenleben entwickeln kann. Das heißt, der Rotteprozess entzieht durch die Bildung wertvoller Mikroorganismen den Pflanzen Nährstoffe, die Folge ist, dass der Verbraucher, Gartenbesitzer anfangs mehr gießen und düngen muss, um das Wachstum zügig fortzusetzen. Dann allerdings kommt es zu einer wahren Wachstumsexplosion, da es beim Verpflanzen keinerlei Umpflanzschock gibt wie beim Plastiktopf! Die Wurzelbildung ist zudem viel ausgeprägter, die Pflanzen sind dadurch trockenheitsresistenter, brauchen in Folge weniger Wasser und sind weniger anfällig für Krankheiten.

Ebenfalls NEU

Eine Alternative zum Plastiktopf und zu den biologisch abbaubaren sind neuerdings Kunststofftöpfe, die sehr aufwändig aus Reststoffen der Altstoffverwertung („Gelber Sack“) hergestellt werden. Das heißt, Kunststoff aus der Plastiktonne wird wieder aufbereitet, gereinigt und wieder zum Plastiktopf verarbeitet. Wie weit sich dieses Recyclingprodukt durchsetzt, wird man sehen, Weltpremiere hatte er Ende Jänner d.J. auf der Weltleitmesse des Gartenbaus in Essen/Deutschland und man verspricht sich viel davon. Erkennbar an der dunkelblauen Farbe!