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Erwin’s Gartenschule

Torf ja oder nein?

Torf ja oder nein?

Torf sparen – „nur“ zum Schutz der Moore!?

Moore, speziell Hochmoore zu erhalten, gehören zu den größten Aufgaben des Klimaschutzes. Moore machen etwa drei Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs – doppelt so viel wie alle Wälder zusammen. Moore werden entwässert, darauf gewachsener Torf wird gewonnen und verwendet für gartenbaulich genutzte Substrate, aber nur zu einem recht geringen Anteil. Torf ist immer noch ein wichtiges Heizmaterial, was dem ganzen einen noch negativeren Anstrich gibt. Wir zerstören unser funktionierendes Ökosystem nachhaltig, wenngleich der Raubbau nicht mehr in dem Maße stattfindet, wie er es vor 30-40 Jahren getan hat. Moore werden wieder vernäßt, zumindest in wichtigen Produktionsländern wie Deutschland.

Dennoch muss es uns zu denken geben und nach Alternativen Ausschau gehalten werden und dem Ganzen auch die Chance gegeben werden – zum Wohle unserer Nachkommen. Bis neues Moor entsteht, dauert es 40.000 Jahre und länger.

Der Aspekt, dass auf Torf im Profi- und Hobbygartenbau verzichtet werden kann, ist hier noch gar nicht berücksichtigt.

Es geht im ersten Schritt vielleicht gar nicht darum, komplett zu verzichten, auch wenn es möglich wäre… aber noch nicht realistisch. Am Beispiel der Schweiz sieht man, dass es wichtig ist, die Torfmengen in den Substraten, auch im Hobbybereich, die gut ein Drittel des Gesamtbedarfs ausmachen, zu reduzieren. Die meisten Torfe stammen aus dem Baltikum, weite Transportwege sind zusätzliche Belastung, daher will man einen schrittweisen Ausstieg aus dem Torfimport bis 2030 erreichen, das sind hochgesteckte Ziele, die kaum realisierbar sind. Die Lobby ist noch zu stark, auch der Mangel an dauerhaft zuverlässigen Ersatzstoffen ist Fakt, um zumindest europaweit den Durchbruch zu schaffen.

Es kommt auf jeden einzelnen an, sich Gedanken zu machen und an und mit Alternativen zu arbeiten, einige wenige Gärtner zeigen, dass es möglich ist und die Qualität der Pflanzen nicht leidet, im Gegenteil.

Ohne Torf gezogene Pflanzen sind robuster, stabiler, weisen weniger Schädlinge auf und sind nachweislich resistenter gegenüber Hitze, Trockenheit und Kulturfehler.

Dennoch kann man nicht einfach „aussteigen“, man braucht gewisse Erfahrung und den Mut, dies durchzuziehen, allerdings ist der Hobbygärtner oft einen Schritt voraus und beweist: ja, es kann funktionieren und ja, ich will OHNE Torf im Garten und auf der Terrasse auskommen und nein, ich habe KEINE Vorurteile und behaupte auch nicht, dass torffreie Erde schlecht riecht… das wird dem ganzen nämlich am Häufigsten nachgesagt.

Wichtig ist, die „richtige Erde“ zu haben, weil davon hängt der Erfolg eines gesunden Pflanzenwachstums aus.

Aber: Was sollte eine „normale“ Blumenerde beinhalten und welche Eigenschaften sollte sie haben? Wie erkenne ich „gute“ von „schlechter“ Erde auseinander?

Gewöhnlicher Gartenhumus ist für eine Pflanzung in einem Topf kaum bis gar nicht geeignet. Für Pflanzungen direkt im Garten ist allerdings eine gute Gartenerde IMMER geeignet und sogar notwendig! Die Grundfarbe ist dabei nicht grau, sondern dunkelbraun, bisweilen fast schwarz, allerdings von guter, krümeliger Struktur. Sie kann einen geringen Anteil an Steinen (Mineral) und anderen Materialien aufweisen, aber nicht durchzogen. Schotter und dergleichen darf dann nur in Erde drin sein, die beispielsweise für „magere“ Beete bestimmt ist, wie z.B. Steingärten, Kiesbeete und dgl. Viele Pflanzen brauche ihr eigenes Medium, die meisten in unseren Breiten wachsen jedoch am besten in guter Gartenerde.

Meistens meinen die Gartenfreunde es mit ihren Pflanzen zu gut und übervorteilen sie mit „guter Erde“, die sie dann letztendlich gar nicht brauchen würden.

Wichtigste Inhaltsstoffe:

1) Weißtorf: war bisher stets der Hauptbestandteil der meisten Blumenerden, vor allem der qualitativ hochwertigen, was sich heutzutage wie beschrieben aber geändert hat. Weißtorf ist strukturstabil, Wasser haltend und bringt viel organisches Material in die Erde und somit in den Boden. Pflanzenwurzeln können sich optimal in Weißtorf bewegen.

2) Schwarztorf: sollte anteilig drin sein, um das  Substrat schwerer zu machen und die Struktur etwas zu verfeinern. Wird vor allem für Grab-, Auspflanz- und Aussaaterden verwendet.

3) Rindenhumus: ist quasi das Endprodukt fermentierter und kompostierter Rinde. Er ist praktisch frei von Gerbstoffen und –säuren und kann anteilig problemlos als Schwarztorfersatz verwendet werden, läßt sich bei Austrocknung aber nur schwer wieder vernässen. RH ist gütegesichert im Handel erhältlich und kann in losem Zustand auch zur Bodenverbesserung für Gemüse-, Blumen- und teilweise auch Moorbeete herangezogen werden.

4) Grüngutkompost: sollte nur bis zu 25% im Substrat verwendet werden, speziell hauseigener. Es sind meist viel zu hohe Salzgehalte enthalten und es kann zu starken Mißbildungen der Pflanzen kommen, speziell wenn Hausabfälle mitkompostiert wurden. Grünkompost, also jener aus Grünschnitt, wird speziell zur Bodenverbesserung verwendet. Aber aufgepaßt auch auf Unkrautsamen! Im handelsüblichen, in Säcken abgefüllten Kompost ist natürlich kein Unkrautsamen enthalten.

5) Holzfaser: ist ein Torfersatzstoff, welcher unter starkem Maschineneinsatz hergestellt wird und als echter Torfersatz zu sehen ist, besonders was seine stabile und faserige Struktur angeht. Die ausschließliche Verwendung von Holzfaser (auch bekannt als Toresa) in der Blumenerde wäre aber (noch) zu teuer und hätte auch Nährstoffmängel infolge einer Stickstoffimmobilisierung zur Folge. Zudem ist der pH-Wert nicht wie beim Torf im sauren, sondern im neutralen Bereich angesiedelt.

6) Ton: ist Lehm in granulierter Form und dient als längerfristige und dauerhafte Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeitserhöhung. Er ist in guter Blumenerde bis zu 15% beinhaltet und ist ein absolutes Qualitätskriterium! Verbessert die Wiederbenetzbarkeit.

7) (Bio)Dünger: sollte als Vorrats- und Depotdünger beinhaltet sein, zumindest in jenen Erden, die zum Pflanzen und nicht zum Aussäen gedacht sind. Eine gute Grunddüngung ist Voraussetzung für den Wuchserfolg der Pflanzen.

8) Zuschlagstoffe: wie Sand, Perlite und andere mineralisch Ähnliche dienen der Auflockerung und guter Wiederbenetzbarkeit der Erde. Besonders bei Kakteen- und Orchideenerde sind diese drinnen, aber auch in Aussaaterden und dgl. Maximaler Zuschlag sollten 5 - 7% sein.

9) Kalk: ist so etwas wie ein pH-Wert-Stabilisator, quasi ein Katalysator, der Einfluss auf die Qualität und den Säuregrad nimmt, ohne selbst beeinflusst zu werden! 3-4kg pro m³ Substrat, sprich eine Hand voll auf 20l Torf, wenn man selbst was mixen will.

10) Holzhäcksel: ist gehäckseltes Fichtenholz mit niedrigem pH-Wert, geringer Wasserspeicherkapazität, es lockert aber das Substrat ungemein. Bis zu 25mm große „Scharten“. Hohe N-Immobilisierung!

11) Kokosfasern/Kokosmark/Kokoshäcksel: aus dem Mesocarp (Hülle) der Kokosnuss, beste Eigenschaften als Torfersatz, aber der ökologische Fingerabdruck macht zu schaffen… Import aus Ceylon, Sri Lanka, oder Indien in den meisten Fällen, auch hier gibt es natürlich gewisse Bedenken, wenngleich die Gütesicherung mittlerweile gewährleistet ist.          

12) Bims und Schaumlava („Leca“): hohe Luftkapazität, geringe Wasserspeicherkapazität, macht das Substrat schwer, gut für grobe Substrate, lange Standzeiten (Zitrus), Dachsubstrate etc.

13) Miscanthus-Schilf: ist ein nachwachsender, auch in Österreich erzeugter Rohstoff, der vereinzelt auch schon in Substraten verwendet wird. Hier wird sich die Wissenschaft hin orientieren müssen, da Schilfhäcksel sehr positiv Eigenschaften für die Pflanzen aufweist und große Chancen für heimische Erzeuger birgt.

     

Was ist in welchem Substrat enthalten? Sinn und (manchmal auch) Unsinn von Spezialerden

Es ist sicher nicht notwendig, für jedes Pflänzchen sein eigenes Süppchen parat zu haben, sprich die eigene Erde, aber es sollte schon so sein, der Pflanze das für sie ideale zu geben, nicht das billigste oder einfachste. Bio-Universalerden erfüllen für den Großteil der Pflanzen ihren Zweck. Ein wichtiger Hinweis ist die Lagerung: dunkel, im Sack verschlossen und kühl gelagert, innerhalb eines Jahres verbraucht, ist mehr als ein Tipp! Rhododendron, Kakteen, Orchideen, Kräuter, Aussaat-Erden ja, andere zumindest in Frage stellen….

Kann man sich eigentlich sein eigenes, torffreies Substrat mixen?

Ja, man kann. Ein Standardsubstrat zum Beispiel wäre eines aus  30-35% Rindenhumus, 15-20% GUT verrotteter Kompost, 10% Schilfhäcksel (Bsp), 5% mineralischer Zuschlagstoff wie Bims oder Sand, 30% Holzfaser oder Holzhäcksel.

Die Nachdüngung muss dann sehr Stickstoff betont sein. Wichtig ist ein hoher Anteil an beispielsweise Schafwolle (erhältlich in Form von Pellets) (bis zu 4kg/m³), aber auch andere handelsübliche, organische Stickstoff-Dünger.

Mit solch einem Substrat macht es Spaß, seine Pflanzen zu ziehen!

Autor
Erwin Seidemann
Datum
8.4.2021
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18.3.2022
Die "richtige Erde" für meine Pflanzen

Aus einer Unzahl von angebotenen Marken an Blumenerden auszuwählen, ist schon schwer genug. Das richtige zu nehmen und das für die eigenen Pflanzen, welche ja auch Geld kosten, noch schwieriger. Auf den Inhalt kommt es an. Für jede Pflanze die richtige Erde, so könnte die Devise lauten. Was aber nicht bedeutet, dass man bei 10 Pflanzen 10 Erdensäcke zuhause liegen haben muss.

Gewöhnlicher Gartenhumus ist für eine Pflanzung in einem Topf kaum bis gar nicht geeignet. Für Pflanzungen direkt im Garten ist allerdings eine gute Gartenerde IMMER geeignet und sogar notwendig! 


Geht es auch ohne Torf im Garten und auf der Terrasse?

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Moore, speziell Hochmoore zu erhalten, gehören zu den größten Aufgaben des Klimaschutzes. Moore machen etwa drei Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs – doppelt so viel wie alle Wälder zusammen. Moore werden entwässert, darauf gewachsener Torf wird gewonnen und verwendet für gartenbaulich genutzte Substrate.

Häufiger wird er als Heizmaterial gebraucht, was dem Ganzen einen noch negativeren Anstrich gibt. Wir zerstören unser funktionierendes Ökosystem nachhaltig, wenngleich der Raubbau nicht mehr in dem Maße stattfindet, wie er es vor 30-40 Jahren getan hat. Moore werden wieder rekultiviert, zumindest in wichtigen Produktionsländern wie Deutschland. 

Dennoch muss es uns zu denken geben und nach Alternativen Ausschau gehalten werden und dem Ganzen auch die Chance gegeben werden – zum Wohle unserer Nachkommen. Bis neues Moor entsteht, dauert es 40.000 Jahre und länger…

Es kommt auf jeden einzelnen an, sich Gedanken zu machen und an und mit Alternativen zu arbeiten, einige wenige zeigen, dass es möglich ist und die Qualität der Pflanzen nicht leidet, im Gegenteil.


Was sollte eine „normale“ Blumenerde beinhalten und welche Eigenschaften sollte sie haben?

Die Grundfarbe ist dabei nicht grau, sondern dunkelbraun, bisweilen fast schwarz, allerdings von guter, krümeliger Struktur. Sie kann einen geringen Anteil an Steinen und anderen Materialien aufweisen, aber nicht durchzogen. Schotter und dergleichen darf dann nur in Erde drin sein, die beispielsweise für „magere“ Beete bestimmt ist, wie z.B. Steingärten. Viele Pflanzen brauche ihr eigenes „Medium“, die meisten in unseren Breiten wachsen jedoch am besten in guter Gartenerde.

Meistens meinen die Gartenfreunde es mit ihren Pflanzen zu gut und übervorteilen sie!

Ohne Torf gezogene Pflanzen sind robuster, stabiler, weisen weniger Schädlinge auf und sind nachweislich resistenter gegenüber Hitze, Trockenheit und Kulturfehler.

Was ist drin im Erdensack anstatt Torf?

  1. Rindenhumus ist das Endprodukt kompostierter Rinde 
  2. (Grüngut) Kompost sollte nur bis zu 25 % im Substrat verwendet werden, speziell hauseigener. Es sind meist viel zu hohe Salzgehalte enthalten und es kann zu starken Missbildungen der Pflanzen kommen. Grünkompost, also jener aus Grünschnitt, wird speziell zur Bodenverbesserung verwendet. Aufgepasst auf Unkrautsamen!  
  3. Holzfaser ist aufgefasertes Nadelholz, welcher unter starkem Maschineneinsatz hergestellt wird und als echter Torfersatz zu sehen ist, besonders was seine stabile und faserige Struktur angeht.
  4. Zuschlagstoffe wie Biodünger (Schafwollpellets!), dienen der Ernährung und der guten Wasserspeicherung.
  5. Kokosfasern/Kokosmark: aus der Hülle der Kokosnuss, beste Eigenschaften als Torfersatz, aber der ökologische Fingerabdruck (Import aus Sri Lanka usw.) macht zu schaffen….
  6. Miscanthus-Schilf ist ein nachwachsender, auch in Österreich erzeugter Rohstoff, der vereinzelt auch schon in Substraten verwendet wird.
  7.  Regenwurmhumus wird gemein hin auch als „Bodengold“ bezeichnet und kann zur Verbesserung der Wasser- und Nährstoffaufnahme mit eingemischt werden. Man kann in so genannten Wurmkisten auch selbst zuhause herstellen und ist geruchlos, aber ungeheuer wertvoll, weil er zum Wertvollsten zählt, was die Natur zurückgibt!      

Aus einer Unzahl von angebotenen Marken an Blumenerden auszuwählen, ist schon schwer genug. Das richtige zu nehmen und das für die eigenen Pflanzen, welche ja auch Geld kosten, noch schwieriger.

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Herbst
Erde
Kompost
12.11.2021
Laubkompostierung für die "Gewinnung von Laub Erde"

Jetzt im Herbst fallen große Mengen Laub an. In den Wäldern bleibt es liegen und bildet eine wertvolle Bodenbedeckung. Es schützt den Boden vor Erosion und Feuchtigkeitsverlust. Von Mikroorganismen und Kleinlebewesen wird das Laub so umgebaut, dass schließlich neue Humuserde entsteht: einperfekter, natürlicher Kreislauf.

Laub ist nicht gleich Laub. Es gibt verschiedene Laubarten, die in ihrer Zusammensetzung ganz unterschiedlich sind und dies wirkt sich auf den biologischen Abbauprozess aus.

Schwer verrottbares Laub:

1. Eichenlaub ist säurehaltig und eignet sich gut für Heidelbeeren oder Rhododendren.

2. Walnuss-, Kastanien- und Platanen-Laub enthält viele Gerbstoffe und wirkt dadurch keimhemmend. Daher sollte es auch in leicht verrottetem Zustand nicht auf Gemüsebeeten verwendet werden.

Bei letzteren Laubarten verzögern bestimmte Inhaltsstoffe aufgrund ihrer keimhemmenden Wirkung die mikrobielle Zersetzung. Insbesondere bei diesen Laubarten empfiehlt sich daher eine separate Laub-Kompostierung, denn die mikrobielle Zersetzung im normalen Kompost kann ebenfalls verzögert werden. Diesen Kompost danach nur restlos ausgereift ausbringen.

Leicht verrottbares Laub:

3. Obst-Laub ist mild und lässt sich gut verwenden.

4. Birkenlaub ist reich an Mineralstoff und ergibt eine besonders gute Komposterde.

5. Buchenlaub ist stark kalkhaltig und als Zusatz zu Stallmist oder Rasenschnitt gut für den Gemüsegarten geeignet.

Kompostieren mit Laub

Laub ist eine fabelhafte Ergänzung im Kompost. Ideal wäre, dass es portionsweise frisch zugegeben und mit der obersten, der Abbauzone, vermischt wird. Um der „Verpappung“ vorzubeugen, sollte regelmäßig Strukturmaterial (Häckselgut) beigemischt und die Feuchtigkeit kontrolliert werden.

Darauf achten, dass das Laub nicht dürr wird…:

Trockenes Laub verrottet fast nicht, weil die Mikroorganismen sich nur in einem feuchten Milieu entfalten und organische Substanz abbauen und umwandeln können. Am besten ist es, wenn das Laub mit dem Rasenmäher geschreddert wird. Dazu den Rasenmäher etwas höher stellen und über das Laub fahren. Durch das Zerreißen der Blätter werden schützende Strukturen aufgebrochen und es entsteht eine wesentlich größere Angriffsfläche für die Mikroorganismen.

Laubkompost ist etwas vom „Feinsten“:

Kompost aus Laub ergibt die feinste aller Komposterden und wird traditionell von Gärtnern zur Herstellung von Blumenerde verwendet. Diese Form des Komposts eignet sich besonders für viel Laub von Walnuss, Kastanie und Platane. Deren hoher Gerbstoffanteil wird während seiner mind. 12-monatigen Rottedauer abgebaut und umgewandelt. Fällt im Herbst jeweils viel Laub an (über300 lt), lohnt es sich einen separaten Laubkompost anzulegen. Dazu eignet sich ein Kompostring, eine abgedeckte Miete oder vier Pfähle in den Boden geschlagen und mit Maschendraht umspannt. Das Laub vorzugsweise mit dem Rasenmäher geschreddert aufnehmen wie oben beschrieben. Hernach lagenweise mit Häckselgut (wichtig: gegen Verklumpung und für die nötige Sauerstoffzufuhr) und Stickstoffmaterial (zerkleinerte Küchenabfälle, letzter Rasenschnitt, Hornspäne, Steinmehl) mischen. Befeuchten mit Wasser oder einer Pflanzenjauche wie Beinwell oder Brennnessel. Die Rottenmasse sollte feucht sein wie ein ausgedrückter Schwamm. Den Laubkompost abdecken. Noch vor Einbruch des Winters wird der Laubkompost ein erstes Mal umgesetzt und bei Bedarf befeuchtet, oder wenn er zusammenklebt, aufgelockert. Im Frühling wiederum umsetzen und bei Bedarf Wasser regulieren (Gießen oder abdecken). Nach Belieben und Bedarf kann dieser Vorgang wiederholt werden. Im Herbst kann der nun feinkrümelige Laubkompost im Gemüsegarten, mit ebenso viel Erde gemischt für Topfpflanzen, oder universell verwendet werden.

Mulchen mit Laub entspricht am ehesten der Situation im Wald:

Das Laub schützt den Boden im Spätherbst, Winter und Frühling vor Erosion, extremer Kälte, Austrocknung . Überdies bietet die Laubschicht den Bodenlebewesen gute Nahrung. Regenwürmer lieben diese zusätzliche Futter. Die Erde bleibt feucht, locker und krümelig.

Zum Mulchen sollte Laub nie pur genommen werden, da sich in Verbindung mit Nässe eine kompakte Matte bildet, unter der sich Schimmel bilden kann und dem Boden „Erstickungsgefahr“ droht. Mulchen mit Laub in Rabatten, unter Sträuchern und Beeren verschiedene Laubsorten mischen, mit etwas Erde, anderem Häckselgut oder zerkleinertem Stroh in einer Schichtdicke von ca. 5 –10 cm eindecken. Im Frühjahr Reste weghacken und zum Kompost geben.

Mulchen mit Laub auf Gemüsebeeten:

Verschiedene Laubsorten - jedoch keine der schwerverrottbaren – mit zerkleinerten Gemüseabfällen (aus Hauskompost), Rasenschnitt oder gehäckseltem Stroh mischen und auf den Beeten ausbringen. Als Verwehungsschutz leicht mit Erde oder reifem Kompost bedecken.

Darf Laub auch liegenbleiben?

Wenn es nicht gerade auf dem Gehsteig oder auf Steinplatten ist, kann Laub ruhig liegenbleiben. Es führt dem Boden organisches Material und Nährstoffe zu. Es dient dem Schutz des Bodens und seinen Lebewesen. Nach einem halben Jahr sind die Blätter angerottet und können umso leichter kompostiert werden.

AUSNAHME! Laub auf Rasenflächen nicht liegen lassen wegen Gefahr von Schimmelpilzbefall. Laub von Plätzen und Straßen zusammenrechen!

Vielen Kleinlebewesen bietet eine Laubschicht Nahrung und Winterschutz. Wer den Igel als Untermieter gewinnen möchte, richtet ihm in einer ruhigen Gartenecke oder zwischen Gebüschen/Baumgruppen einen gemischten Laub- und Schnittholzhaufen ein. Igel sind durch die veränderten Lebensräume auf naturnahe Gärten angewiesen. Wird das Laub- und Totholz mit einem Steinhaufen ergänzt, bietet dieser nebst dem Igel auch Amphibien und vielen anderen nützlichen Kleintieren ein Zuhause.

Jetzt im Herbst fallen große Mengen Laub an. In den Wäldern bleibt es liegen und bildet eine wertvolle Bodenbedeckung. Es schützt den Boden vor Erosion und Feuchtigkeitsverlust. Von Mikroorganismen und Kleinlebewesen wird das Laub so umgebaut, dass schließlich neue Humuserde entsteht: ein perfekter, natürlicher Kreislauf.

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Boden
Höhenlagen
5.7.2021
Bodendeckerpflanzen zur Flächenbepflanzung

Tirol ist ein gebirgiges Land, der Großteil bebauter Fläche liegt in flachen Zonen von Tälern und Hochplateaus. Die meisten noch erschließbaren Baugründe liegen in Hanggebieten, die einen hohen technischen Aufwand nach sich ziehen, um diese nutzbar zu machen. Fast jede neue Siedlung schließt Hänge mit ein. Diese sind meist nicht in dem Umfang zu gebrauchen wie es flache Bereiche sind. Spiel- und Sportplätze, das Wohnhaus selbst und die umliegenden Plätze müssen eben ausgerichtet sein, dann bleiben meist Böschungen über, die aus technischen und optischen Gründen mit Pflanzen befestigt und begrünt werden sollen!

Dafür, aber nicht nur dafür sind Bodendeckerpflanzen geeignet. Oft sind auch Flachzonen, wie z.B., um Bäume zu umkränzen (Stadt), um unwegsame oder extensiv bewirtschaftete Bereiche optisch ergiebiger zu gestalten und auch zur Arbeitserleichterung. Zugewachsene Flächen braucht man nicht zu jäten.

Bodendecker sind also Pflanzen, die übergreifend ineinander wachsen können, ohne sich zu verdrängen und geben dadurch ein geschlossenes Bild ab. Bei falscher Anwendung (zu viele oder zu wenige Pflanzen je m²) können unliebsame Überraschungen passieren!

Grundregeln bei der Verwendung von Bodendeckern:

1) Fläche unkrautfrei vorbereiten

2) richtige Pflanzenwahl

3) richtige Anzahl Pflanzen je m² (sonst meist pflegeintensiv)

4) nicht zu viele Arten mischen, am besten nur eine Pflanze für einen Bereich

5) Pflanzen die in EINER Höhe wachsen, verwenden

 

Häufigste Fehler:

1) zu wenige Pflanzen pro m²: Die Pflanzen brauchen bis zum Dichtwuchs Jahre und man muss oft jäten

2) zu viele Pflanzen pro m²: Pflanzen müssen ausgeschnitten werden (kommt eher selten vor)

3) falsche Pflanzenauswahl auf schotterhaltigen, sonnigen Böden, aber auch auf schattigen, seichten Böden.

 

Die am häufigsten verwendeten Bodendecker, unterschieden nach Verwendung Sonne-Schatten:

Noch bis vor ein paar wenigen Jahren war die Bezeichnung „Bodendecker“ untrennbar mit der Pflanze Cotoneaster (Felsenmispel) verbunden. Doch dann kam der Feuerbrand mit der Hauptwirtspflanze Cotoneaster und vernichtete sehr viele Obstanlagen (Apfel, Birne) und der Cotoneaster wurde verboten zu pflanzen, bestehende Flächen wurden gerodet, um vorzubeugen. So gibt es ihn nur mehr vereinzelt in Tirol und bald wird man ihn gar nicht kennen.

So musste man sich nach Alternativen umsehen, welche auch gefunden wurden, aber nur schwerlich.

 

Für Sonne (trockene, manchmal humose Böden):

Bodendeckerrosen: anspruchsloser Massenbodendecker für privates und öffentliches Grün; am längsten und intensivsten blühend, muss nicht, kann aber zurück geschnitten werden; Schnitt „spürbar“. Überall verwendbar! In fast allen Farben!

Juniperus (Kriechwacholder): sehr anspruchslos; je nach Art langsam- sehr raschwüchsig; 10cm bis 1m hochwachsend; Achtung! Manche verbreiten den Birnbaum-bedrohenden Pilz Birnengitterrost!

Symphoricarpus (Schneebeere): schöne Beerenfrucht, ungenießbar. Einfaches Massengehölz, laubabwerfend.

Spirea „Little Princess“: schöne, rosa Blüte im Juni; dichter, nicht allzu rascher Zuwachs. Gut schnittverträglich

Potentilla (Fünffingerstrauch): in gelb, orange, hellrosa, weiß! Meistverwendeter Blühbodendecker, der den ganzen Sommer über nachblüht. Wächst recht rasch sehr dicht, vor allem im öffentlichen Grün! Ausgezeichnete Schnittverträglichkeit.

Zwergdeutzie (Maiblumenstrauch): duftender, weißer bis hellrosa Zwergstrauch, Verwendung ähnlich der Potentilla (meist gemeinsam), gut schnittverträglich.

Calluna und Erica: Herbst- winterblühende Heidegewächse für schwachsaure bis neutrale, aber humose Böden in voller Sonne! Langsam wachsend.

Lonicera (Zwerggeißblatt): z.T. immergrün; geht auch für schattige Bereiche; „nur“ grün, weil Blüte uninteressant; DER Cotoneaster-Ersatz in Tirol im öffentlichen und extensiven Bereich. Wächst anfangs langsam, dann schön dicht; Böden gut mit Humus anreichern!

Euonymus (Zwergspindel): sonnig bis schattig; langsam wüchsig, immergrün(bzw. immerbunt, weil meist buntlaubig), sehr dankbares, schnittverträgliches Zwerggehölz.

Pinusmugo: Zwerglatschen sind auch als Bodendecker verwendbar, wenn auch nur als sehr langsamwüchsiger. Anspruchslos, heimisch, überall, wo passend, einsatzbar.

 

Schattige (Feuchtere)Bereiche:

Hedera (Efeu): nicht nur als Kletterpflanze, auch als immergrüner Bodendecker für extreme Standorte geeignet! Wächst anfangs langsam, dann aber extrem rasch alles zu!

Taxus repandens (Bodendeckereibe): immergrüne, weichnadelige Alternative für Liebhaber von dunkelnadeligen Gehölzen. Pflanze sehr giftig! Anspruchslos.

Vinca major (Immergrün): blaublühender Bodendecker immergrün; sehr flachwachsend und anspruchslos, aber nicht so rasch wie Efeu; braucht humosen Boden und darf anfangs nicht zu viel Konkurrenz haben.

 

Pflege von mit Bodendeckern bepflanzten Bereichen:

Mulchen ja oder nein? Rindenmulch oder Holzfaser sind sicher ein wichtiger Unkraut-Freihalter, der, falls die Flächen nicht zu steil sind, gut einsetzbar ist. Vor allem nach der Pflanzung einsetzen, späterer Einsatz ist meist nicht mehr vonnöten.

Rückschnitt ja oder nein? Bei Laub abwerfenden Bodendeckern ist ein jährlicher Rückschnitt oft blüh- und wuchsfördernd. Bei immergrünen Pflanzen kann man, muss man aber nicht zurückschneiden. Heckenschere reicht meist aus, braucht man nicht einzeln!

Düngung ja oder nein? Eine zusätzliche Ernährung ist oft nicht unwichtig, vor allem bei immergrünen Pflanzen und bei Bodendeckerrosen. Im Jahr der Pflanzung und das Jahr darauf soll noch mit organischem Volldünger (Biosol, Hornspäne, Kompost zum Beispiel) gedüngt werden, später nicht mehr.

 

Foto: Spirea „Little Princess“

...vor allem in steilen Lagen unserer Gärten und Wohnanlagen. Tirol ist ein gebirgiges Land, der Großteil bebauter Fläche liegt in flachen Zonen von Tälern und Hochplateaus.

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